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Mitreißendes Figurentheater
Bühne Cipolla spielt für Förderer der EFL

17.3.2022

Ein ungewohnter Anblick auf der Kanzel der Siegener Martinikirche: Keine Pfarrerin und kein Pfarrer predigte dort am Montagabend, stattdessen thronte ein König über den Kirchgängern. König Franz, um genau zu sein. Ein greiser Mann mit strähnigem weißen Haar und verhärmten Gesicht, der mit jeder seiner fahrigen Gesten wilde Tier aus ihren Käfigen befreien ließ: einen Löwen zuerst, dann einen Tiger, schließlich zwei Leoparden, deren Umherstreifen im Kirchenschiff der König mit Blicken und Gesten folgte. Als Zuschauer wollte man sich beinahe umdrehen, um sicherzugehen, dass da nicht wirklich Raubkatzen zwischen den Stuhlreihen in der Kirche frei umherliefen – so überzeugend war die Darstellung von Friedrich Schillers berühmter Ballade „Der Handschuh“. Dabei wurde der greise König mit der roten Pappkrone von einer Puppe dargestellt, kunstvoll gesteuert von Schauspieler Sebastian Kautz von der Bühne Cipolla. Zusammen mit Cellist Gero John und vier aufwendig gearbeiteten, kleinkindgroßen Handpuppen war Kautz auf Einladung der Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle (EFL) des Evangelischen Kirchenkreises Siegen zu Gast in der Martinikirche.

Die Veranstaltung war ein Dankeschön für die Freunde und Förderer, Spender und Stifter der EFL. Einmal im Jahr werden die Unterstützer normalerweise zu einem solchen Event eingeladen – bedingt durch Corona musste der von langer Hand geplante Auftritt des Figurentheaters Bühne Cipolla jedoch mehrfach verschoben werden. Umso mehr freute sich EFL-Leiterin Simone Weiß am Montagabend, dass die geltenden Corona-Regeln das Event nun endlich möglich machten. Das Schiller-Programm der Bühne Cipolla, das unter dem Thema „Mensch sein“ stand, habe dabei durchaus Bezug zur Beratungspraxis der EFL, betonte Weiß: „Sich immer wieder auf das Menschsein einzulassen – das macht unsere Arbeit aus.“ Dabei begegne den Beraterinnen die volle Bandbreite des menschlichen Daseins: von seinen Schattenseiten bis hin zur Mut machenden Erfahrung der Mitmenschlichkeit. „Diese Solidarität und Mitmenschlichkeit wird auch uns selbst zuteil durch Ihre Spenden, Mitgliedschaft und ehrenamtliches Engagement“, dankte Weiß den eingeladenen Gästen.

 

Superintendent Stuberg und EFL-Leiterin Simone Weiß begrüßten die Gäste.

 

Von den Tiefpunkten und Glanzmomenten des Menschseins handelte auch das Programm der Bühne Cipolla. Schauspieler Kautz rezitierte mithilfe der Puppen und untermalt von Cellospiel und Soundeffekten von Gero John Balladen von Friedrich Schiller: von den „Kranichen des Ibykus“ über „Kassandra“, den „Taucher“ und den „Handschuh“ bis hin zur „Bürgschaft“. Es ging um Liebe und Freundschaft, Heldenmut und Todesangst, Arroganz und Demut. Die Puppen – kunstvoll gestaltet aus Modelliermasse von Requisiteurin Melanie Kuhl – übernahmen dabei mal die Hauptrollen, mal den Part der Kommentatoren. Denn eine Brücke zwischen den Balladen bildete die kurzweilige Unterhaltung eines Puppen-Paars, das, in zwei Korbstühlen sitzend, die Handlung kommentierte oder zusammen mit den Zuschauern dem mitreißenden Cellospiel von Gero John lauschte. Sebastian Kautz wiederum erweckte die Figuren mit seiner Stimmgewalt und gezielten Kopf- und Handbewegungen so überzeugend zum Leben, dass man manchmal kaum glauben mochte, dass sich der Gesichtsausdruck der Figuren mit Ausnahme des auf- und zuklappenden Mundes nie änderte.

 

 

Das Publikum würdigte den beeindruckenden Auftritt mit langanhaltendem Applaus. Doch nicht nur die Künstler bekamen Beifall, auch das Team der EFL wurden zum Abschluss des Abends ausgiebig beklatscht. Gerade während der Pandemie sei die Beratungsstelle ein wichtiger Anlaufpunkt für Menschen, deren Leben durch die aktuellen Umstände ins Trudeln geraten sei, betonte Superintendent Peter-Thomas Stuberg, der leitende Theologe des Kirchenkreises. „Viele Menschen und Familien haben bei Ihnen Anker und Wegweiser gefunden.“ Damit dies auch in Zukunft möglich ist, warb die EFL am Montag für ihr Patenschaftsprogramm. Dabei können Einzelpersonen die Patenschaft für Beratungsstunden übernehmen und so dazu beitragen, dass das Angebot für alle Ratsuchenden auch in Zukunft kostenfrei bleibt. Mehr Informationen zur Patenschaft gibt es hier.

 

Das Team der Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle mit Superintendent Peter-Thomas Stuberg. Im Altarraum: Gero John und Sebastian Kautz von der Bühne Cipolla.

 

Text und Fotos: Jasmin Maxwell-Klein

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