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Studierendengemeinde zieht in die Innenstadt

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Ein Ort zum Brückenbauen
Studierendengemeinde zieht in die Innenstadt

4.2.2022

Die Uni kommt in die Stadt – und nun folgt auch die Evangelische Studierendengemeinde. Zwischen Hauptbahnhof, Uni-Mensa und Martinikirche liegt das neue „Basislager“ der ESG, wie Studierendenpfarrer Ralph van Doorn die Räumlichkeiten auf der Siegener Bahnhofstraße nennt. Ein Basislager, das allen Studierenden der Universität offensteht und ihnen Raum bietet zum Lernen, Diskutieren und Kaffeetrinken - aber auch eine Anlaufstelle, wo sie ein offenes Ohr bei seelischen Nöten finden. Als glückliche Fügung bezeichnet es Superintendent Peter-Thomas Stuberg, dass die ESG die Räumlichkeiten mitten in der Siegener Innenstadt anmieten konnte. Kurz zuvor war der Mietvertrag über die bisherigen Räume auf dem Haardter Berg wegen Eigenbedarfs gekündigt wurden. „Da auch die Universität zunehmend in die Stadt zieht, haben wir hier einen idealen Anlaufpunkt für Studierende“, sagt der leitende Theologe des Evangelischen Kirchenkreises Siegen. „Damit setzen wir auch ein Zeichen: Die Kirche öffnet sich und ist nah bei den Menschen in ihrem direkten Lebensumfeld.“

 

Studierendenpfarrer Ralph van Doorn und Superintendent Peter-Thomas Stuberg in den neuen Räumen der ESG

 

Zu den Räumen in der Bahnhofstraße 3 gehören neben dem Büro von Studierendenpfarrer van Doorn eine gemütliche Kaffeeküche, ein Rückzugsort für Seelsorgegespräche und ein großer hybrid nutzbarer Seminarraum. Letzter bietet sich auch an für Kooperationen mit der Erwachsenenbildung im Kirchenkreis Siegen. Ein Lesezimmer mit Blick direkt auf die Sieg steht als Co-Working-Space Studierenden aller Fachrichtungen offen, um in konzentrierter Atmosphäre zu lernen oder an wissenschaftlichen Arbeiten zu arbeiten. Theologiestudierende können zudem die wachsende Bibliothek nutzen, die einen besonderen Akzent im Bereich Judaistik setzt – ein Arbeitsschwerpunkt von Studierendenpfarrer van Doorn. Er ist Beauftragter des Kirchenkreises für den christlich-jüdischen Dialog und behandelt das Thema auch im Rahmen seines offiziellen Lehrauftrags an der Uni. Ein weiterer Vorteil des neuen Standorts: Die Katholische Hochschulgemeinde, mit der die ESG eng zusammenarbeitet, sitzt nur eine Etage höher im selben Gebäude. Und die Martinikirche, wo van Doorn regelmäßig Gottesdienste mit Studierenden und Uni-Mitarbeitenden veranstaltet, ist nur einen Steinwurf entfernt.

 

Nicht zuletzt hat der neue Standort direkt an der Siegbrücke auch symbolischen Wert: „Einer der wichtigsten Teile meiner Arbeit ist es, Brücken zu bauen“, sagt van Doorn und meint damit Brücken zwischen verschiedenen Bibelverständnissen: einer sehr wörtlichen Auslegung einerseits und andererseits einer Lesart, die die Bibel ernst nimmt, sie aber in ihren historischen und kulturellen Entstehungskontext einordnet. Unverzichtbar für diese Einordnung sind aus Sicht des Theologen die Sprachen des biblischen Urtextes, Hebräisch und Altgriechisch. Fortlaufend bietet van Doorn in Kooperation mit der Leiterin der kreiskirchlichen Erwachsenenbildung, Heike Dreisbach, in den Räumen der ESG Schnupperkurse in diesen Sprachen an. Neben Studierenden stehen sie allen Interessierten offen. Die Auseinandersetzung mit dem Urtext biete einen ganz neuen Blick auf bekannte biblische Texte oder Begriffe wie Sünde und Buße, sagt van Doorn. Nicht zuletzt ergäben sich aus solchen Veranstaltungen auch Seelsorgegespräche. „Seelsorge ist ein großer Teil meiner Arbeit“, berichtet der Pfarrer. Seine Tür steht allen Studierenden, aber auch Mitarbeitenden der Universität offen. Auch die Unterstützung internationaler Studierenden gehört zu seiner Arbeit. Denn die ESG verwaltet Mittel des evangelischen Hilfswerks „Brot für die Welt“, aus denen Studierende aus Ländern des globalen Südens mit Stipendien unterstützt werden. Über allem stehe die große Sehnsucht, dass junge Menschen die Bibel und Theologie nicht nur für „altes Zeug“ halten, sagt van Doorn. „Ich stelle immer die Frage: Was kann man aus dem Text fürs Leben lernen?“ Auf diese Frage Antworten jenseits des Fundamentalismus zu finden – das sei sein Anliegen.

Jasmin Maxwell-Klein

 

Foto: Jasmin Maxwell-Klein

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