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Pfarrkonferenz spricht über Nachwuchsgewinnung

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Pfarrkonferenz spricht über Nachwuchsgewinnung

21.2.2022

Um Nachwuchs für kirchliche Berufe zu gewinnen, braucht es nach Ansicht von Pfarrer Holger Gießelmann mehr Erfahrungsräume für junge Menschen in der Kirche. „Wir müssen alles möglich machen, damit junge Leute bei uns Erfahrungen machen können“, sagte der Pfarrer für Nachwuchsgewinnung der Evangelischen Kirche von Westfalen auf der Pfarrkonferenz des Evangelischen Kirchenkreises Siegen. Möglichkeiten seien etwa Praktika, aber auch Berufserkundungstage und Gesprächsangebote. Gießelmann ist der Kopf hinter der Kampagne „Mach Kirche“ der westfälischen Landeskirche. Via Videokonferenz kam er mit Pfarrerinnen und Pfarrern aus dem Kirchenkreis Siegen ins Gespräch darüber, wie es gelingen kann, junge Menschen für das Pfarramt und andere kirchliche Berufe zu begeistern.

Wie in der gesamten Landeskirche zeichnet sich im Kirchenkreis Siegen ein Fachkräftemangel vor allem im Pfarrberuf ab. Ab dem Jahr 2025 stehen zahlreiche Pensionierungen an, die Stellen werden voraussichtlich nicht im selben Umfang nachbesetzt werden können. Denn aktuell treten in der westfälischen Kirche nur etwa 15 Nachwuchstheologinnen und -theologen pro Jahr ihren Pfarrdienst auf Probe an. Nachwuchswerbung tut also Not. „Wenn wir es erst meinen damit, dürfen wir das Thema nicht dem Zufall überlassen“, betonte Gießelmann. Auf www.machkirche.de hat er Informationen zu kirchlichen Tätigkeitsfeldern gesammelt und stellt Menschen vor, die diese Berufe ausüben: Pfarrerinnen und Pfarrer, Gemeindepädagoginnen und -pädagogen, Kirchenmusikerinnen und -musiker, Erzieherinnen und Erzieher sowie Mitarbeitende aus der Verwaltung. In einer Praktikumsbörse können sich junge Menschen informieren, wo sie in kirchliche Jobs hineinschnuppern können. Auch im Kirchenkreis Siegen sind schon Praktikumsplätze in den Bereichen Pfarramt, Sozialpädagogik und Kirchenmusik zu finden. Gießelmann regte zudem an, stärker bestehende Strukturen wie Berufserkundungstage, etwa den Girls‘ und Boys‘ Day, zu nutzen und mit Schulen zu kooperieren.

„Erfahrungsräume sind es, die Menschen in diese Berufe reinbringen können“, betonte Gießelmann. Das zeigten auch die Rückmeldungen von Teilnehmenden der Pfarrkonferenz. Oftmals war es die eigene Mitarbeit in der Jugendarbeit von Kirchengemeinden oder CVJM, die das Interesse am Beruf weckte. Bei anderen waren es prägende Personen – Pfarrerinnen und Pfarrer oder Religionslehrerinnen und -lehrer –, die fragten: Könnte das Pfarramt etwas für dich sein? Jungen Menschen authentisch aus dem Berufsalltag zu berichten, sei zentral, betonte Gießelmann. „Bin ich selbst von meinem Beruf begeistert? Erzähle ich anderen davon?“ Dass es einiges zu erzählen gäbe, das offenbarte der Austausch unter den Teilnehmenden: Sie schätzen an ihrem Job den Kontakt zu verschiedenen Menschen, die Arbeit in einem Team, die hohe Gestaltungsfreiheit und das Gefühl, wirklich gebraucht zu werden. Doch auch die Schattenseiten kamen zur Sprache: schwer planbare Arbeitszeiten etwa oder die nicht immer einfache Vereinbarkeit von Familie und Beruf. „Bei allem Werben für unseren Beruf muss Ehrlichkeit vorherrschen“, betonte Holger Gießelmann: „Wir haben anspruchsvolle, aber auch sehr schöne Berufe.“ In kirchlichen Gremien werde aktuell darüber diskutiert, wie der Weg ins Pfarramt attraktiver werden könnte – etwa durch eine Flexibilisierung des Vikariats, das aktuell nicht in Teilzeit absolviert werden kann.

Superintendent Peter-Thomas Stuberg dankte Gießelmann für die vielfältigen Anregungen. Im nächsten Schritt müsse über konkrete Schritte vor Ort nachgedacht werden. So könne es etwa sinnvoll sein, eine Ansprechperson oder ein Team für Nachwuchswerbung im Kirchenkreis zu benennen. Zugleich erinnerte der Superintendent daran, dass der Pfarrberuf auch insofern besonders sei, als er ein Beruf sei, „den Gott in die Wiege legt“. Zu wissen, dass letztlich Gott Pfarrer zu ihrer Arbeit beauftrage, „dieses Wissen ist tröstlich, entlastend und auch verheißungsvoll“, sagte Stuberg.

 

Bild: Pfarrer Holger Gießelmann war per Videokonferenz zu Gast in der Pfarrkonferenz.

 

Text und Fotos: Jasmin Maxwell-Klein

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