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Kirchenkreis Siegen legt Mitgliederstatistik 2021 vor

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Einen Raum in Krisenzeiten bieten
Kirchenkreis Siegen legt Mitgliederstatistik 2021 vor

9.3.2022

Die Zahl der Kirchenmitglieder ist im Evangelischen Kirchenkreis Siegen im vergangenen Jahr auf 107.106 gesunken. Das sind 2,4 Prozent weniger als im Jahr 2020, als noch 109.714 Menschen den evangelischen Kirchengemeinden im Siegerland und Olper Raum angehörten. Der wesentliche Teil des Mitgliederrückgangs ist demografisch bedingt: Wie schon in den Vorjahren sterben deutlich mehr evangelische Gläubige, als Kinder getauft werden. Gestiegen ist im vergangenen Jahr allerdings auch die Zahl der Kirchenaustritte. Bei den Zahlen für 2021 handelt es sich um Hochrechnungen, die tatsächlichen Zahlen können davon abweichen und liegen erst Ende dieses Jahres vor. Die Hochrechnungen sind jedoch erfahrungsgemäß sehr aussagekräftig.

 

Daneben steht die positive Entwicklung, dass auch die Zahl der Taufen deutlich gestiegen ist: 620 Jungen und Mädchen, aber auch erwachsene Frauen und Männer wurden im vergangenen Jahr von evangelischen Pfarrerinnen und Pfarrern getauft. Das ist ein Anstieg um 38,7 Prozent im Vergleich zum Jahr 2020, als es nur 447 Taufen gab. Konstant blieb die Zahl der Aufnahmen: 51 bereits getaufte Menschen, die vormals konfessionslos waren oder einer anderen Konfession angehörten, traten der evangelischen Kirche bei. Zugleich verzeichneten die Gemeinden im Kirchenkreis Siegen 1045 Austritte, ein deutlicher Anstieg im Vergleich zum Vorjahr, als es 807 Austritte gab. Noch stärker trug zur sinkenden Zahl der Kirchenmitglieder die konstant hohe Zahl der Verstorbenen bei. Im vergangenen Jahr starben 1745 Gemeindeglieder.

 

Superintendent Peter-Thomas Stuberg bedauerte die gestiegene Zahl der Kirchenaustritte. „In den Austrittszahlen spiegelt sich sicher auch die empfundene Glaubwürdigkeitskrise der Kirche als Ganzes, bei der die Menschen nicht nach der Konfession unterscheiden.“ Dies sei insbesondere deshalb schmerzlich, da ihm das hohe Engagement und die gute Arbeit der Pfarrerinnen und Pfarrer sowie anderen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden im Kirchenkreis und den Gemeinden vor Augen stehe, sagte der leitende Theologe des Kirchenkreises. Ein großer Teil dieser Arbeit, insbesondere die Seelsorge, geschehe im Verborgenen und sei für die Öffentlichkeit kaum wahrnehmbar. Die Austrittszahlen zeigten jedoch, dass es Menschen gebe, die kirchliche Angebote nicht erreichten. Zugleich verwies Stuberg darauf, dass sich gerade in krisenhaften Zeiten viele Menschen der Kirche zuwandten, etwa indem sie zurzeit Friedensgebete für die Ukraine besuchten. „Die Kirche ist ein auch physischer Raum, in dem Krisen durchdrungen und bearbeitet werden können – indem wir sie in Gebeten, Liedern und in der Stille vor Gott bringen, Sorgen und Nöte in seine Hände geben und dadurch selbst zur Ruhe finden“, sagte der Superintendent. „Es ist uns als Kirche wichtig, ausnahmslos allen Menschen diesen Raum auch weiterhin zu bieten.“

 

Text: Jasmin Maxwell-Klein

Foto: epd-Bild/Norbert Neetz

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