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Apollo-Theater Siegen
„Reformatio Calvini – Aufbruch in neue Welten?

Am 19. und 20. Juni, 20 Uhr, wird im Apollo-Theater das Stück „Reformatio Calvini – Aufbruch in neue Welten?“ aufgeführt. In der Zeit bedeutender geographischer Entdeckungen und eines in die Neue Welt expandierenden Europas vollzog sich mit der Reformation und einem ihrer prägendsten Vertreter Johannes Calvin der Aufbruch in ein neues gesellschaftlich-theologisches Denken. Im Rahmen des Kreiskirchentags stellt die versierte „THEATERKISTE evau“ unter der Leitung des Theaterpädagogen Heinrich Waegner zusammen mit Schülern eines Projektkurses am Ev. Gymnasium Siegen-Weidenau den Menschen Calvin und seine Epoche vor. Ein multimediales Ereignis, das Elemente moderner Theaterinszenierungen mit einer anschaulichen Präsentation der damaligen Zeit zu verbinden versucht. Es musizieren das Instrumentalensemble und das Collegium vocale Siegen unter der Leitung von KMD Ulrich Stötzel.
Karten: Apollo-Theater und Kirchengemeinden - Erwachsene 10 Euro, ermäßigt 6 Euro, freie Platzwahl.

 

Proben ins Ungewisse
Theaterkiste des evau bringt unter der Leitung des Theaterpädagogen Heinrich Waegner Calvin auf die Apollo-Bühne

 

Die Schülerinnen und Schüler rund um den Theaterpädagogen Heinrich Waegner haben sich Anspruchsvolles vorgenommen. Pünktlich zum Kreiskirchentag am 20. Juni und anlässlich des 500. Geburtstags des Reformators Johannes Calvin wollen sie ein Theaterstück über den weniger bekannten Reformator auf die Bühne des Siegener Apollo-Theaters bringen. Der Titel: Reformatio Calvini – Aufbruch in neue Welten? Der Reiz, sich dieser Herausforderung zu stellen, ist für Waegner die Unmöglichkeit, aus der Theologie des Reformators ein Theaterstück zu machen.
Seit dem Herbst des vergangenen Jahres texten und proben die 16 jungen Leute um den pensionierten Lehrer und passionierten Theaterpädagogen und arbeiten sich an der Theologie und Biografie Calvins ab.
Waegner: „Ich musste mich erst einmal selbst mit der Person auseinandersetzen. Meine ersten Informationen hatte ich aus dem Internet. Dann habe ich Bücher gelesen. Die Beschäftigung mit Calvin hat mich fast in eine persönliche Krise gestürzt. Ich hatte mich nie sonderlich für die formale Theologie interessiert.“ Während seiner Beschäftigung mit dem großen Reformator entdeckte der Theaterpädagoge einen weltlich wie geistlich gebildeten Juristen und Theologen. Fleißig war Calvin, ein großer Stilist, musisch interessiert, überall bei den Reformierten verehrt: Professor, Prediger, Autor und auch Politiker. Ihm begegnete aber auch der Mensch Calvin. Unsympathisch kommt er ihm vor, rechthaberisch, aufbrausend, kleinlich und zornig, aber auch bescheiden. Um die Gesundheit Calvins war es nicht sehr gut bestellt. Dennoch war er stark, gradlinig. Unerbittlich konnte er sein und doch auch mitleidsfähig.
Immer auf der Suche nach versteckten Storys schrieb Waegner Texte und Szenen. Es gab keine Vorlagen. Calvin wurde vermutlich noch nie auf die Bühne gebracht.

Die Schüler entwickeln ihr Stück
Dann machten sich die Theaterleute gemeinsam an die Arbeit. Die Jugendlichen lasen, redigierten, änderten um und formulierten in ihrer eigenen Sprache. Waegner: „Die Schüler sollen ihr Stück entwickeln, es soll zu ihrem Leben Bezüge haben; auch die schwierigen theologischen Themen.“  Der Regisseur setzt bei den Jugendlichen kreative Lösungen frei. Er fördert das zu Tage, was in ihnen vorhanden ist. Es entsteht kein historisches Stück, obwohl es in Genf spielt, wo Calvin viele Jahre gelebt und gewirkt hat. Die Sprache wird das wichtigste Kommunikationselement sein. Das passt zu Calvin. Ebenso wird Licht benötigt, um zu inszenieren, um Perspektive zu schaffen. Und es wird ein Tanztheater werden mit Musik von Bach, der die Themen musikalisch aufgreift. Das Instrumentalensemble und das Collegium vocale des Bach-Chores Siegen wirken daher mit. Musikalisch hat Bach mit Calvin wenig zu schaffen. Aber der Genfer Psalter, der von Calvin stark geförderte Gemeindegesang, eignet sich nicht für die Bretter, die für viele die Welt bedeuten.

Die Schülerinnen und Schüler sind sehr engagiert. Sie lassen sich auf das Experiment ein. Einige haben bereits Erfahrung von der Aufführung des Ikarus. Etliche kommen vom evau. Einige von der Waldorfschule, vom Peter-Paul-Rubens-Gymnasium, von der Clara-Schumann-Gesamtschule, Kreuztal, und vom Stift Keppel, Hilchenbach. Sie mussten zu einer Gruppe zusammenfinden. Der Umgangston ist locker. Man duzt sich. Auch den Pädagogen. Man merkt den jungen Schauspielern an, dass es ihnen Spaß macht, trotz der vielen Arbeit und des Zeitdrucks.
Eine Szene wird geprobt. Ein Gespräch zwischen Vater und Tochter. Die Tochter will zu ihrem Freund, anstatt für die Schule zu lernen. Der Vater stellt die Tochter zur Rede. Die Szene endet mit dem Vorwurf „So faul wie Du kann man doch gar nicht sein.“ Carolin spielt den Vater, Ximeng die Tochter. Es geht um die Faulheit, eine der sieben Todsünden.
Katrin kommt zur Tür herein. Ein fröhliches Hallo. Karin hat heute Geburtstag. Sie kommt etwas später, aber die Probe am Freitagnachmittag fällt für sie deshalb nicht aus. Fünf Minuten Pause, gratulieren, Geburtstag feiern mit Kuchen. Dann geht es wieder an die Arbeit. Waegner erklärt Körperhaltung, Atmung, Sprache.

Calvin ist kein theologisches und intellektuelles Leichtgewicht. Sein Hauptwerk „Unterricht in der christlichen Religion - Institutio Christianae Religionis“ hat 1000 Seiten. Es geht unter anderem um Selbsterkenntnis, Gotteserkenntnis, um die Gnade Gottes und den Willen des Menschen, um die Erwählungslehre und das Kirchenverständnis. Aber auch die Themen Kirchenzucht, Kapitalismus, die Sakramente und ein imaginäres Gespräch zwischen Luther und Calvin werden auf die Bühne gebracht.

Wir werden es schaffen
An die 20 Szenen sind schon geschrieben. Etliche Szenen und Texte müssen noch „spielbar“ werden. Einzelproben stehen an und Sonderproben während der Osterferien. Ein reformierter Theologe soll den fertigen Text noch auf eventuelle Unstimmigkeiten abklopfen. Inhaltlich muss alles stimmen. Der Druck ist hoch. Waegner: „Eigentlich hätten wir zwei Jahre benötigt. Ein Jahr zum Texten und Entwickeln und ein Jahr zum Proben.  Dennoch sind sich der Theaterpädagoge und die schauspielernden Schülerinnen und Schüler sicher: „Wir werden es schaffen“.

Die Aufführungen sind am 19. und 20. Juni 2009, 20 Uhr, im Apollo-Theater. Der Eintritt kostet für Jugendliche 6 Euro und für Erwachsene 10 Euro. Karten sind ab April in den evangelischen Kirchengemeinden des Kirchenkreises Siegen erhältlich und ab Mai über die Vorverkaufsstellen des Apollo-Theaters.
kp


Text zum Bild: (Fotos Karlfried Petri)

Das Collegium vocale Siegen unter der Leitung von KMD Ulrich Stötzel bei der Probe.



Kirchenmusikdirektor Ulrich Stötzel

Der versierte Theaterpädagoge Heinrich Waegner führt Regie.
(4 Fotos für eine Bildleiste)

 

Konzentriert und mit heiterem Ernst proben die Jugendlichen  im evau ihre Calvin-Aufführung.

Bald wird die Theaterkiste im Apollo-Theater ausgepackt.

   

   

   

   

   

   

   

   

   

   

   

   





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