Kontakt    

 Roll Up 4 plus 

200 Jahre Ev. Kirchenkreis Siegen


 

Die Einrichtung von Kirchenkreisen in Westfalen im 19. Jahrhundert

 

DER KONSITORIALBESCHLUSS

Mit Datum vom 9. Juli 1818 vom Königlich Preußischen Konsistorium festgesetzt, am 12. August 1818 von der Königlich Preußischen Regierung veröffentlicht und im Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Minden Nr. 43 am 28. August 1818 abgedruckt wurde im Zuge der „Neuen Diöcesen-Einteilung“ nun auch die „Diöcese Siegen“  gebildet. Das zuständige Konsistorialamt in Minden erließ auf Bitten der königlich-preußischen Regierung den Beschluss, dass fortan die 13 bestehenden Kirchengemeinden des Siegener Raumes „Siegen, Rödgen und Wilnsdorf, Netphen, Müsen, Holzklau, Hilchenbach, Freudenberg, Fischbach, Ferndorf, Dresselndorf, Krombach, Burbach und Neunkirchen“ in einer „Diöcese“ zusammengefasst werden sollten, die unter der Leitung eines zuständigen Superintendenten geführt werden sollten. Die bereits bestehende Synode der Siegener Gemeiden wurde im Nachsatz angewiesen, „ihren Diöcesen-Verband auf dem nächsten Konvente nach vorstehenden Abtheilungsplane einzurichten“. Die Diözese Siegen blieb dabei weiterhin unter der Leitung des bereits seit 1812 amtierenden Superintendenten Dr. Henrich Adolph Achenbach.

 

 

Aufgrund dieses Konsistorialbeschlusses kann der 12. August 1818 als „Geburtsdatum“ des Kirchenkreises Siegen betrachtet werden. Dennoch wäre es nicht ganz richtig, hier von einer „Gründung“ zu sprechen. Bereits vor dem Konsistorialbeschluss von 1818 verfügten die Siegener Gemeinden über eine gemeinsame Synode und wurden durch einen als Superintendent bezeichneten Gemeindepfarrer beaufsichtigt. Somit stand die Diözese Siegen, ebenso wie viele der anderen 15 Diözesen im Verfügungsgebiet des Mindener Konsistorialamts schon in einer langen historischen Tradition. Mit dem Konsistorialbeschluss wurden diese Zusammenschlüsse nun jedoch auf die formelle Ebene gehoben und zu rechtspolitischen Institutionen der kirchlichen Verfassung. Die kirchliche Selbstverwaltung sollte gefördert werden. Dabei sollten auch lutherische und reformierte Konfessionsgemeinden erstmals in der deutschen Kirchengeschichte zusammengefasst werden. Letzteres hatte im Siegerland aufgrund der geringen Anhängerschaft der lutherischen Konfession keine weitreichende Bedeutung, in anderen Diözesen mit starker lutherischer Prägung jedoch eine immense.

 

Herr Superintendent Stuberg, wie kam es dazu, dass in einer Landeskirche Kirchenkreise eingerichtet wurden?

https://kirchengemeinden.kirchenkreis-siegen.de/177/dateien_cms/Filme/Interview_Stuberg_1_klein.mp4

 

PROBLEME NACH DER NEUEN DIÖZESEN-EINTEILUNG

Es zeigte sich schnell, dass durch den preußischen Konsistorialerlass nun zwar ein allgemeingültiges Rechtsgebilde vorhanden war,  eine einheitliche Kirchenordnung jedoch noch fehlte. Bis die erste Kirchenordnung im Jahre 1835 erlassen wurde, kam es deshalb zu allerlei Unstimmigkeiten hinsichtlich der angemessenen Verwaltung und Vorgehensweise in kirchenpolitischen Fragen.

 

BEGRIFFLICHE EINORDNUNG:

Der Konsistorialbeschluss von 1818 spricht noch von „Diöcesen“ und auch die Rheinisch-Westfälische Kirchenordnung von 1835 kennt lediglich die Bezeichnungen „Kreis-Gemeinden“ oder „Kreis-Synoden“ für die entstehenden kreiskirchlichen Zusammenschlüsse. Nur vereinzelt tritt hier der Begriff „Kirchenkreis“ auf. Er findet erst mit der Kirchenordnung von 1953 eine allgmeingültige Verwendung.

mmü