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Der Grüne Hahn

Die Schöpfung zu bewahren ist biblischer Auftrag, dem sich die Kirche verpflichtet sieht. Dazu gehört, nicht verschwenderisch mit Rohstoffen und Energie umzugehen. Es ist jedoch unglaubwürdig, den Gedanken der Bewahrung der Schöpfung zu verkündigen und selbst diesem Ziel nicht zu genügen. Um glaubwürdiges Reden und transparentes Handeln zu fördern, wurde in der westfälischen Landeskirche das Umweltmanagement-Projekt „Der Grüne Hahn“ ins Leben gerufen, der mittlerweile in einigen evangelischen Gemeinden und Kirchenkreisen „kräht“. In den Ev. Kirchengemeinden Erlöser-Siegen, Kaan-Marienborn, Krombach und Niederschelden sowie im kreiskirchlichen „Haus der Kirche“ in der Siegener Oberstadt soll das kirchliche Umweltmanagementsystem bis 2009 eingeführt werden.

Aber nicht nur theologische Gründe spielen beim kirchlichen Umweltmanagement eine Rolle. Es gibt auch ein handfestes wirtschaftliches Interesse. Steigende Energiekosten machen den Kirchengemeinden und dem Kirchenkreis zu schaffen. In der Kirchengemeinde Kaan-Marienborn beispielsweise werden im Winterhalbjahr die Gottesdienste aus der Kirche in das benachbarte Gemeindehaus verlegt, weil es zu kostenaufwändig ist, die Kirche zu heizen. Zurückgehende Kirchensteuereinnahmen verursachen einen zusätzlichen Druck, Kosten einzusparen.

Die Presbyterien der vier beteiligten Kirchengemeinden haben mittlerweile ihre ehrenamtlichen Umweltmanagementbeauftragten berufen und eine erste Schulung fand bereits in diesem Jahr in Haus Villigst, dem landeskirchlichen Institut für Aus-, Fort- und Weiterbildung in Schwerte für die acht Siegerländer und weitere 42 Teilnehmende aus anderen westfälischen Kirchengemeinden und Kirchenkreisen statt. Die nächsten Ausbildungsabschnitte, auf das Jahr verteilt, folgen.
Pfarrer Klaus Breyer, Umweltbeauftragter der Evangelischen Kirche von Westfalen, und Hans-Jürgen Hörner, Leiter des Projektbüros „Der Grüne Hahn“ in Recklinghausen, leiteten den Grundkurs. In Fachvorträgen, Diskussionsrunden und Arbeitsgruppen wurden die Grundlagen des Umweltmanagementsystems „Der Grüne Hahn“ vermittelt. In einem Fachvortrag erläuterte Dipl.-Ing. Christian Dahm von der Energie-Agentur NRW die vielfältigen Möglichkeiten von Kirchengemeinden, in ihren Gebäuden Energie zu sparen.

Auf die in den Kirchengemeinden ehrenamtlich tätigen Umweltmanagementbeauftragten kommt in den nächsten Monaten viel Arbeit zu. Zunächst müssen sie die Umweltbelastungen, wie Energie-, Wasser- und Materialverbrauch oder Abfallaufkommen, die von ihrer Kirchengemeinde und den Gebäuden ausgehen, systematisch erfassen. Auf der Grundlage dieser Daten können kostengünstige Vorschläge erarbeitet werden, die zur Verringerung der Belastungen und zur Senkung der Betriebskosten führen. Kirchengemeinden, die bereits das Umweltmanagement praktizieren, konnten kostenneutral oder mit geringen Investitionen dauerhaft den Energie- und Wasserverbrauch sowie das Abfallaufkommen um bis zu 30 Prozent senken.

Für Michael Hänel, Umweltbeauftragter des Kirchenkreises Siegen und mit dem „Haus der Kirche“ selbst in den Prozess eingebunden, bietet kirchliches Umweltmanagement die Chance, die bisherigen Einzelaktivitäten in ein Gesamtsystem einzufügen und dem Engagement damit Dauerhaftigkeit zu verleihen. Kirchliches Umweltmanagement fördert ein wirkungsorientiertes Handeln mit klaren Zielen in einem abgestimmten Prozess. Durch klare Zuständigkeiten und geregelte Abläufe, so erhofft er sich, werden stetige Verbesserungen erreicht.

Das Projekt “Der Grüne Hahn – Management für eine Kirche mit Zukunft“ basiert auf dem Europäischen Umwelt-Audit-System (EMAS II), das bereits von vielen Unternehmen und Institutionen erfolgreich eingesetzt wird. Angepasst an kirchliche Anforderungen wird ein System aufgebaut, das Kirchengemeinden und kirchliche Einrichtungen in die Lage versetzt, Umwelt- und Ressourcenschutz in ihrem Bereich kontinuierlich und dauerhaft zu verbessern. Nach erfolgreicher Einführung besteht für die teilnehmenden Kirchengemeinden und kirchlichen Einrichtungen die Möglichkeit, sich durch einen externen Umweltgutachter nach der Europäischen Umwelt-Audit-Verordnung zertifizieren zu lassen.
kp

Text zum Bild:
Die Umweltmanagementbeauftragten aus dem Siegerland auf ihrem Grundkurs vor Haus Villigst. v.l.: Peter Imhof, Reiner Jung, Martin Althaus, Hartwig Göbel, Freb Lauber, Martin Roth, Michael Hänel und Ralf Kubosch.

 

Schöpfung bewahren – damit alle leben können
Hungertuch und Grüner Hahn in Bürbach

Das neue Hungertuch von Misereor gab jetzt in einem Gottesdienst im ev. Gemeindehaus in Bürbach den thematischen Inhalt vor: ‚Schöpfung bewahren – damit alle leben können’. In der Kirchengemeinde Kaan-Marienborn hängt dies ganz konkret mit dem landeskirchlichen Projekt „Der Grüne Hahn“ zusammen, das Kirchengemeinden befähigt, Umweltmanagement einzuführen und dauerhaft umzusetzen.

Tony Nwachukwu – ein afrikanischer Künstler hat das Misereor-Hungertuch für die Jahre 2009/2010 zu dem Thema „Schöpfung bewahren - damit alle leben können“ gemalt. Im oberen Teil des Bildes gibt er die Schöpfung nach dem Buch Genesis wieder. Es zeigt die Schriftrolle im Arm des Schöpfers und den Geist Gottes, der „über den Wassern schwebte“. Die Schriftrolle symbolisiert  Jesus Christus, das Wort Gottes, durch das alles geworden ist. Die Schöpfungstage werden nachgebildet: Licht, Dunkel, Pflanzen, Sonne, Mond, Tiere und der Mensch. „Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Es war sehr gut.“ (Gen 1,31)
Im linken unteren Teil wird die Gefährdung der Schöpfung plastisch, wie der Künstler sie in Nigeria erlebt: Umweltzerstörung und Klimawandel. Bodenerosion, vertrocknete Felder, anschwellende Flüsse durch Unwetter, die die schützenden Behausungen der Menschen gefährden. Vom Rohöl verschmutzte Gewässer töten die Fische und machen Landwirtschaft unmöglich.  Transnationale Konzerne der Industrieländer fördern in Nigeria Erdöl und zerstören die Umwelt. Der Reichturm geht, die Armut bleibt. Dort, wo der Mensch die Schöpfungsordnung nicht respektiert, lediglich auf egoistischen Gewinn aus ist und die Natur ausbeutet, anstatt sie pfleglich zu bewahren, droht der Untergang aller. Der Künstler will zur Umkehr rufen. Umkehr heißt, auf den Schöpfergeist Gottes zu hören und seine Ordnungen zu achten. Er malt im unteren rechten Bild die Vision von der Bewahrung der Schöpfung durch die Menschen aller Kontinente. Industrie soll im Einklang mit der Bewahrung der Schöpfung produzieren. Der Mensch, selbst ein Geschöpf Gottes, trägt hegerisch Verantwortung für die Umwelt schon allein aus Rücksicht auf sein eigenes Überleben, aber auch aus Achtung vor seinem Schöpfer. Die Osterkerze bricht aus der Erde hervor: Der Gott des Lebens schenkt in Jesus Christus Leben und einen Neuanfang.

Die Kirchengemeinde Kaan-Marienborn will ihren Beitrag zur Bewahrung der Schöpfung leisten und Vorbild sein für einen bewahrenden Umgang mit der Schöpfung. Sie nimmt Teil an der Aktion „Der Grüne Hahn“, die die Evangelische Kirche von Westfalen in Gang setzte.
Jährlich muss die Kirchengemeinde von jährlich 90.000 Euro Einnahmen 28.000 Euro für Energie ausgeben. Das kann und will sie sich nicht mehr leisten. Das Thema „Schöpfung bewahren“ hat nun in der Gemeinde einen höheren Stellenwert bekommen. Damit es nicht nur bei schönen Worten und Absichtserklärungen bleibt, wurde ein Umweltteam gebildet, das in 15 Sitzungen einen Maßnahmenkatalog für die Kirche in Kaan-Marienborn, die beiden Gemeindehäuser und das Familienzentrum erarbeitet hat. So wird beispielsweise während der Heizperiode die Raumtemperatur während der Gottesdienste auf 18° C beschränkt, bei Beerdigungen auf 14° C bis 16° C. Der Vorraum zur Kirche wird nicht mehr beheizt. Ab Mitte Oktober bis Ostern werden Gottesdienste nicht mehr in der Kirche gefeiert, sondern in den Gemeindehäusern. In den Gruppenräumen soll die Raumtemperatur während der Heizperiode 20° C nicht übersteigen, im Sanitärbereich wird sie auf 15° C beschränkt. Die Gruppen sind gebeten, selbst die Beleuchtung zu regeln und einen sparsamen Umgang mit der Energie zu pflegen. Es wird nur noch ausschließlich fair gehandelter Kaffee verwendet. Ökologisch orientierte Pläne regeln die Pflege der Außenanlagen um Kirche und Gemeindehäuser.
In der Kirchengemeinde werden die Einsparungen und Umweltschutzüberlegungen regelmäßig thematisiert. Durch Artikel im Gemeindebrief, thematische Gottesdienste und Projekte im Konfirmandenunterricht soll über die Maßnahmen hinaus das Bewusstsein nachhaltig angesprochen werden. Künftig werden die Energieverbräuche regelmäßig überprüft. Die Mitarbeitenden wurden in die Planungen einbezogen und auch Fachleute, wie die Energieagentur NRW bei der ausführlichen Analyse der Gebäude. In einem Fachabend zum Thema „Energieeinsparung“  wurden die Gemeindegruppen über die Vorhaben informiert. Zur Erinnerung hängen nun Plakate mit dem „Grünen-Hahn-Symbol“ in den Häusern und die Lichtschalter sind farblich markiert, um ein mehrfaches Ein- und Ausschalten zu vermeiden. Die Kirchengemeinde hofft, in den nächsten drei Jahren je nach Standort bis zu 25% an Gas und Strom einzusparen. Ende April, so der Wunsch der Kirchengemeinde, erhält sie die Zertifizierung nach Europäischen Recht (EMAS II).
Das Presbyterium wünscht sich, dass das Vorbild der Kirchengemeinde reichlich Nachahmende in Privathaushalten findet.
kp

Text zum Bild: (Foto Karlfried Petri)
Heike Utsch, Gerhild Jung, P. Gerhard Utsch und Ralf Kubosch betrachten die vielfältigen Details des neuen Misereor-Hungertuches. Es hängt nun im Chorraum des ev. Gemeindehauses Bürbach, um an die eigenen Aufgaben zur Bewahrung der Schöpfung  zu erinnern.

 

„Was unser Gott geschaffen hat, das will er auch erhalten“
Energiesparen im ev. Gemeindehaus Neue Dreisbach

Der Startschuss im ev. Gemeindehaus Neue Dreisbach der Kirchengemeinde Niederschelden ist gefallen. Im Gottesdienst wurde jetzt das Projekt „Der Grüne Hahn“ der Gemeinde vorgestellt. „Was unser Gott geschaffen hat, das will er auch erhalten“, zitierte Umweltmanagementbeauftragter Martin Althaus ein Lied aus dem Evangelischen Gesangbuch, das die Gemeinde im Gottesdienst gesungen hat. Martin Althaus: „Es reicht nicht aus, ein solches Lied zu singen, die Gemeinde muss auch entsprechend handeln. Eine Kirche, die Wasser predigt – und mehr Umweltschutz fordert – aber selbst Wein säuft – also nichts unternimmt – erleidet einen Glaubwürdigkeitsverlust. Die Evangelische Kirche in Deutschland verbraucht beispielsweise so viel Energie wie die Stadt Hannover und erzeugt somit so viel CO2 wie die Afrikanischen Länder Sudan und Kenia zusammen.
Um ihren Beitrag zur Energieeinsparung zu leisten, hat das Presbyterium der Ev. Kirchengemeinde Niederschelden beschlossen, das Projekt der westfälischen Landeskirche „Der Grüne Hahn“ zu unterstützen und in der eigenen Kirchengemeinde umzusetzen.“
Gleichzeitig sind die Gemeindeglieder eingeladen, sich am Umweltmanagement zu beteiligen. Vieles, was für  Gemeindegebäude gilt, lässt sich auf private Räume übertragen.
Im Jahre 2005 wurden im Gemeindezentrum „Neue Dreisbach“ etwa 4.900 Liter Heizöl verbraucht und 6.200 Kilowattstunden Strom. Allein durch die Reduzierung der Raumtemperatur um 1 Grad, so Althaus, lassen sich bis zu 6% Wärmeenergie, also 300 Liter Heizöl sparen. Das ist bares Geld, das ohne technischen Aufwand eingespart werden kann.

Im Gottesdienst griff Pfarrer Günther Albrecht das Thema Umweltschutz auf. Er geht beispielsweise mit den Konfirmanden durch das Wohngebiet und sammelt Müll ein. Albrecht: „Die ev. Kirchengemeinde in der Dreisbach wird die Welt nicht retten. Aber wenn ein Weiterer hinzukommt und mitmacht, wird eine doppelte Wirkung erzielt.“ Er machte deutlich, dass die Menschen in ihrem Verhalten dem Schöpfer der Welt verantwortlich sind. Die Aktion „Der Grüne Hahn“ fordere auf, die Warnzeichen ernst zu nehmen.

Nach dem Gottesdienst hatte die Kirchengemeinde eine kleine Ausstellung zum Thema Umwelt und Energie vorbereitet mit Beispielen von Solarenergie, Warmwasseraufbereitung oder schadstoffreduzierten Autos. Architekten waren vor Ort, die auf die Möglichkeiten der Energieberatung und der staatlichen Förderung hinwiesen.
kp

Text zum Bild: (Foto Karlfried Petri)
Gemeindeglieder informieren sich nach dem Gottesdienst über die Möglichkeiten Energie einzusparen und im privaten Bereich umweltfreundlich Energie zu gewinnen.

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Vor dir ist Freude die Fülle und Wonne zu deiner Rechten ewiglich.
Psalm 16,11

Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens.
Johannes 6,68

©Evangelische Brüder-Unität – Herrnhuter Brüdergemeine

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