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Wahl eines neuen Superintendenten im Evangelischen Kirchenkreis Siegen
Drei Pfarrer bewerben sich

07.03.2012 15:51

Das Bewerbungsverfahren für die Wahl einer neuen Superintendentin / eines neuen Superintendenten hat der Nominierungsausschuss des Kirchenkreises Siegen durchgeführt und abgeschlossen. Nach Sichtung der Bewerbungen und nach intensiven Gesprächen mit den Bewerbern hat sich der Nominierungsausschuss einstimmig dafür ausgesprochen, der Kreissynode die Pfarrer Arnold Schütz und Peter-Thomas Stuberg als Kandidaten vorzuschlagen.
Als dritter Kandidat ist der Weidenauer Pfarrer Heiner Montanus über einen Antrag, von 15 Synodalen unterschrieben, nominiert worden.

Den Synodalen sowie interessierten Gemeindegliedern werden sich die drei Pfarrer mit einem Vortrag zum Thema „Die Zukunft der Volkskirche“ vorstellen.
Pfarrer Arnold Schütz stellte sich am Donnerstag, 22. März 2012 vor und Pfarrer Peter-Thomas Stuberg eine Woche später am Mittwoch, 28. März 2012. Heiner Montanus spricht zu dem Thema am Mittwoch 18. April 2012.Alle Vortragsveranstaltungen finden im Evangelischen Gemeindezentrum der Christuskirchengemeinde am Wellersberg, Obenstruthstraße 8, Siegen, statt und beginnen jeweils um 19.30 Uhr.

Die Wahlsynode findet am Mittwoch, 25. April 2012, 15 Uhr, in Wilgersdorf statt.

Hier stellen sich die Kandidaten in alphabetischer Reihenfolge vor:

Pfarrer Heiner Montanus


Pfarrer Heiner Montanus (geb. 1962) Heiner Montanus studierte Theologie in Wuppertal, Marburg und Heidelberg. Sein Vikariat führte ihn nach Lengerich-Hohne im Tecklenburger Land. Ab 1989 war er Krankenhausseelsorger als Pastor im Hilfsdienst im Kreiskrankenhaus Siegen und betreute seelsorglich das Fritz-Fries-Seniorenzentrum der AWO am Rosterberg. 1991 wählte ihn das Presbyterium der Martini-Kirchengemeinde in die Pfarrstelle für den Bezirk Rosterberg. Ab 2006 ist er Pfarrer in der Kirchengemeinde Weidenau. Im Kreissynodalvorstand ist er seit sieben Jahren als Scriba tätig.Heiner Montanus ist in zweiter Ehe verheiratet und hat drei Kinder.

Hier können Sie den Vortrag von Pfarrer Heiner Montanus, gehalten am 18.04.2012 im Gemeindezentrum der Christus-Kirchengemeinde am Wellersberg, nachlesen. (pdf-Datei)

 

1. Wie sind Sie dazu gekommen, Theologie zu studieren?
Zwei Elemente waren ausschlaggebend: Ich habe im CVJM mitgearbeitet, war Mitarbeiter in der Jungschar, später auch in einem Jugendkreis. Das Engagement dort hat mir Freude gemacht und hat mich geprägt: meinen Glauben, mein Interesse daran, mit jungen Leuten zusammen Gemeinde und Freizeit zu gestalten, und meine Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Dazu kam dann in den Jahren vor dem Abitur ein Lehrer, der mit uns im Religionsunterricht wissenschaftliche theologische Literatur gelesen hat: Theologie des Paulus, Christologie. Das hat mich gepackt und bis heute nicht losgelassen.
Das eine mit dem anderen verbindend wollte ich dann Jugendpfarrer werden. Doch dann haben sich andere Wege ergeben, ich bin Gemeindepfarrer geworden und bin es gerne. Doch bei der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen liegt bis heute ein Schwerpunkt meiner Gemeindearbeit.

2. Welche Vorzüge hat für Sie ein reformiert geprägter Kirchenkreis?
Ich erlebe hier (wie auch im ebenfalls reformiert geprägten Kirchenkreis Tecklenburg, wo ich als Vikar war) selbstbewusste und daher starke Presbyterinnen und Presbyter sowie andere ehrenamtlich Mitarbeitende. Sie zeichnen sich aus durch ihre hohe Identifikation mit der Gemeinde und die Fähigkeit und Bereitschaft, auch „geistlich“ zu leiten und Verantwortung zu übernehmen. Das spiegelt sich dann auch in der Diskussionsfreude der Synode wider.
Dazu kommt das Engagement der Pfarrerinnen und Pfarrer dafür, den Gottesdienst als Mitte der Gemeinde zu erhalten und ihn als Versammlungsort für so ganz unterschiedliche Menschen zu gestalten: als Ort des gemeinsamen Hörens auf das Evangelium, des Singens und Betens und der Begegnung.
Schließlich freue ich mich über das gesellschaftliche Engagement unseres Kirchenkreises. Dem Hören auf die Gute Nachricht folgen Taten, die die Welt im Blick haben: Besuchskreise, Krabbelgruppen, Kindergärten, Wohnungslosenhilfe, Beratungsdienste…

3. Worin sehen Sie die drei wichtigsten Aufgaben eines Superintendenten im Evangelischen Kirchenkreis Siegen?
Ich nenne Ihnen drei Schwerpunkte, die ich setzen würde:
Kirche hat die Aufgabe, möglichst viele und unterschiedliche Menschen in Kontakt mit dem Evangelium zu bringen. Dies zu fördern, wäre eines meiner Hauptanliegen als Superintendent. Und da ich als solcher nicht mehr Gemeindepfarrer wäre, sähe ich die Herausforderung darin, die Pfarrerinnen und Pfarrer und andere Mitarbeitende in den Gemeinden und den synodalen Diensten (Schule, Krankenhaus, Altenheim, Beratungsdienste, Telefonseelsorge…) dabei zu unterstützen. Etwa indem Ideen entwickelt werden, wie man gemeinsam Freiräume schaffen kann, um mehr Zeit zur Verfügung zu haben für diese pfarramtliche zentrale Aufgabe: Das Zuviel an Verwaltungstätigkeit könnte abgebaut und z.B. ans Kreiskirchenamt als Dienstleister übertragen werden. Und die freiwerdende Zeit würde eingesetzt für das, wofür wir Pfarrerinnen und Pfarrer ausgebildet sind: Predigen, Seelsorge, Kirchlicher Unterricht, Glaubenskurse, Seelsorge sowie Zeit für ausreichende Vorbereitung.
Ein Zweites: Unsere Kirche befindet sich in einem Veränderungsprozess. (Genau genommen soll sie einen solchen immer durchlaufen: „ecclesia semper reformanda“, wie Luther es genannt hat, eine „Kirche, die sich immer neu reformiert“.) Meine Aufgabe als Superintendent wäre es in Blick darauf, den Umgang mit solchen Prozessen zu moderieren. Ziel ist es dabei wiederum, Kirche so zu gestalten, dass sie befähigt bleibt, das Evangelium unter veränderten Bedingungen weiterzugeben. Dies ist keine „One-man-Show“ eines Superintendenten. Es erfordert vielmehr die Beteiligung vieler: der Gemeinden und der Synode, der Haupt- und der Ehrenamtlichen. Um das möglich zu machen, wären mir persönliche Kontakte zu den Beteiligten wichtig, Präsenz vor Ort, bei den Gemeinden also. Zugleich gilt es, andere ins Leitungshandeln einzubinden sowie Entscheidungen und die Wege dorthin transparent zu machen. Und schließlich sehe ich eine wichtige Aufgabe auch darin, ggf. auch unpopuläre Entscheidungen zu vertreten und Kritik auszuhalten.
Schließlich: Volkskirche zeichnet sich durch Pluralität aus. Sie beherbergt eine Vielfalt unterschiedlicher Frömmigkeitsstile, Richtungen, Persönlichkeiten und Gemeindekonzeptionen. Diese Pluralität ist natürlich. Sie zu repräsentieren – darin sähe ich meine Aufgabe als Superintendent, als Vertreter des Kirchenkreises, in dem die Gemeinden zusammengeschlossen sind. Das heißt nicht, keine eigene Meinung zu haben. Sondern es meint, die Vielfalt zu bejahen und die Einheit in der Vielfalt zu fördern.
Zu guter Letzt (ich weiß: viertens): Zum Leiten gehört auch lachen können – vor allem über sich selbst.

4. Welche Möglichkeiten sehen Sie, den abnehmenden finanziellen Ressourcen des Evangelischen Kirchenkreises Siegen zu begegnen?
Wir – Kirchenkreis und Gemeinden – werden sparen müssen. (Das ist, ich weiß, einfacher gesagt als getan.) Wir werden noch weniger all das machen können, was wir gerne täten. Wir werden Schwerpunkte setzen und uns auf einige Aufgaben und Projekte beschränken müssen. Darin steckt eine Chance: Wir können ggf. auf andere Gemeinden verweisen, die andere Akzente zeigen und zu deren Angeboten einladen. Auch darin käme unsere „Einheit in der Vielfalt“ zum Ausdruck. Und einige wichtige Aufgaben werden wir nur in der Weise gemeinsam wahrnehmen können, dass wir es als Kirchenkreis – als Solidargemeinschaft der Gemeinden – tun. Derzeit machen wir bereits auf den Gebieten Kindergarten- und Jugendarbeit damit gute Erfahrungen.
Eine weiterte Möglichkeit: Wir finden Menschen und Institutionen, die bereit sind, für gute Projekte und wichtige Aufgaben zusätzlich etwas zu geben. Die Erfolge einiger Gemeinden beim „freiwilligen Kirchgeld“ und der Ehe-, Familien.- und Lebensberatungsstelle mit der Gründung einer Stiftung machen mir Mut.

5. Welchen Stellenwert hat für Sie die Mitarbeit Ehrenamtlicher in der Kirche?
Ehrenamtliches Engagement ist eine dem Wesen der Kirche entsprechende Form, Gemeinde und Kirche zu gestalten. Denn es macht einerseits sichtbar, dass Gemeinde als Körper aus unterschiedlichen Teilen besteht, die je spezifische Fähigkeiten haben: unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Gaben. Und andererseits wird auf diese Weise das gelebt, was die Reformatoren als „Priestertum aller Gläubigen“ wiederentdeckt haben: Jeder Christin, jeder Christ hat freien, unmittelbaren Zugang zu Gott und zugleich teil an der Aufgabe, anderen Menschen Gott zu bezeugen.
Haupt- und Ehrenamtliche leiten gemeinsam Gemeinden und Kirche.
Eine wichtige Aufgabe der Hauptamtlichen ist es, Ehrenamtliche in ihrem Tun zu unterstützen, sie auszubilden und zu begleiten.

6. Was sollte sich Ihrer Meinung nach in der Kirche auf keinen Fall ändern?
Ich bin davon überzeugt, dass unser Kirchenkreis und seine Gemeinden sich sehen lassen können: Sie bilden eine große Organisation, in der Ehrenamtliche und Hauptamtliche gemeinsam Verantwortung übernehmen und mitarbeiten. Ihre Angebote sind flächendeckend präsent. Sie erreichen viele Menschen und begleiten sie auf ihrem Lebensweg (Gottesdienst und Kirchenmusik, Seelsorge und Beratung, Kasualien, Gruppen, Kirchlicher Unterricht). Sie machen sich stark für Kindertageseinrichtungen und Jugendarbeit und lassen sich das etwas kosten. Sie haben eine starke Partnerschaft mit dem Kirchenkreis Magharibi in Tansania. Sie engagieren sich auf vielen diakonischen Feldern und lassen Menschen in Not nicht in Stich. Sie bringen ihre Stimme ein in gesellschaftliche Prozesse. Sie sind bei aller Vielfalt um Einheit bemüht. Und in all dem: Sie begreifen ihren Glauben als Orientierung für ihr Leben. Ich möchte mich dafür einsetzen, dass das so bleibt!



Pfarrer Arnold Schütz

Pfarrer Arnold Schütz (geb. 1958) stammt aus Niederschelden und ist seit 1989 Gemeindepfarrer der Ev. Ref. Kirchengemeinde Lipperode. Seit 22 Jahren ist er Synodalbeauftragter für Missionarische Dienste, er war 14 Jahre lang Mitglied des Ausschusses für Weltmission und Ökumene und ist seit über 10 Jahren Mitglied des Strukturausschusses. Arnold Schütz ist verheiratet, das Ehepaar hat drei Kinder.

 

1. Wie sind Sie dazu gekommen, Theologie zu studieren?
Meinen Weg zur Theologie verdanke ich in erster Linie den Mitarbeitern des CVJM. In Ihnen
habe ich in meiner Jugend Menschen kennen und schätzen gelernt, die ihren tief verwurzelten Glauben authentisch lebten, ohne jedoch vereinnahmend zu sein. Ihre inspirierende Art, von ihrem Glauben zu reden und aus ihm heraus zu handeln, hat mich auf den Weg gebracht, einen lebendigen, getrosten und fröhlichen Glauben zu finden. Ein Glaube, der dem Leben zugewandt ist, der offen, herzlich und verbindlich zugleich ist.
So stand für mich schon während meiner Schulzeit fest, Theologie zu studieren und hoffentlich genau so ansteckend, einladend und authentisch Menschen auf den Weg des Glaubens einzuladen, wie ich es selbst erfahren hatte.

2. Welche Vorzüge hat für Sie ein reformiert geprägter Kirchenkreis?
Ich schätze besonders, dass die reformierte Prägung des Kirchenkreises Siegen deutlich macht, dass Kirche sich von den Gemeinden her aufbaut und dass sie jeglichen hierarchischen Strukturen kritisch gegenübersteht. Ämter und Aufgaben auf den verschiedenen Ebenen ergeben keine Über- oder Unterordnung. Es gilt der biblische Grundsatz der Gemeinschaft von Brüder und Schwestern.
Selbstbewusste und starke Gemeinden mit einem enormen Potential an motivierten und engagierten Ehrenamtlichen und Gemeindegottesdienste in verschiedensten Formen, die die Mitte des gesamten gemeindlichen Lebens bilden, resultieren m. E. gerade aus dieser reformierten Prägung.
Denn das Zentrum, die Mitte reformierter Theologie liegt in der grundlegenden Bedeutung des Wortes Gottes, im Hören und Tun des Wortes. Gottes Wort ist Richtschnur all unseres Redens und Handelns. Das schließt auch ein, dass wir unser Handeln immer wieder am Wort Gottes überprüfen und gegebenenfalls verändern müssen. Gleiches gilt auch für die äußere Gestalt der Kirche und ihrer Struktur.
Die Stärke reformierten Denkens liegt nicht zuletzt auch in der konkreten Wahrnehmung gesellschaftlicher und politischer Verantwortung im Sinne der Königsherrschaft Christi.
Nicht nur innerkirchlich, sondern auch nach außen hat die Kirche ihrem Herrn nachzufolgen, gerade auch im Bereich des diakonischen Handelns.
Ich halte das Reformierte Bekenntnis in der Gesamtheit der Evangelischen Kirche für unverzichtbar. Es bietet viele grundlegende Anstöße, besonders wenn es um das Selbstverständnis von Kirche und Gemeinde geht. Der Kirchenkreis Siegen hat in unserer
Landeskirche, meiner Meinung nach, einen großen Fundus einzubringen.

3. Worin sehen Sie die drei wichtigsten Aufgaben eines Superintendenten im Evangelischen Kirchenkreis Siegen?
In der Fülle der Aufgaben, die das Superintendentenamt beinhaltet, liegt eine wesentliche Aufgabe und Chance darin, die verschiedenen Arbeitsbereiche zu vernetzen. Dazu bedarf es der Transparenz, des Vertrauens, der Gesprächsbereitschaft und der Offenheit, also Integration im Sinne des Aufeinanderbezogenseins der unterschiedlichen Dienste.
Der Dienst im Superintendentenamt muss bei allen schwierigen Zukunftsaufgaben, die konstruktiv und nachhaltig angegangen werden müssen, von der Hoffnung und dem Vertrauen in Gottes Führung, dem Herrn der Kirche, getragen werden. Er hat den Verheißungen Gottes auf Zukunft hin immer wieder Gehör zu verschaffen, geistliche Impulse zu setzen und zu ermutigen, verheißungsvoll in die Zukunft zu gehen. Es gehört auch zu seinen Aufgaben Bewährtes zu pflegen, Veränderungsbereitschaft zu unterstützen, Potential für Erneuerungen zu benennen, klare Ziele durch Konsensbildung synodal zu verabreden und zur Ausführung zu bringen. Dazu bedarf es einer vertrauensvollen Zusammenarbeit von Kreissynodalvorstand, Verwaltung, Referaten und Gemeinden.
Leitung gelingt nur gemeinsam, wobei ein verantwortlicher Weitblick notwendig ist, der allen Beteiligten gerecht wird und auf einen Ausgleich der Kräfte und Lasten achtet.


4. Welche Möglichkeiten sehen Sie, den abnehmenden finanziellen Ressourcen des Evangelischen Kirchenkreises zu begegnen?
Ich halte das Potential in den Siegerländer Gemeinden und damit auch im Kirchenkreis für gegeben, Stiftungen und Förderkreise in nicht geringem Umfang ins Leben zu rufen bzw. auszubauen. Ich bin davon überzeugt, dass viele Menschen bereit sind, für die gute und segensreiche Arbeit in den Gemeinden und auf Kirchenkreisebene ihren Beitrag zu leisten. Manches Arbeitsfeld ließe sich zukünftig auf diese Weise finanzieren. Doch der Aufbau einer zusätzlichen Finanzierungssäule benötigt Zeit. Darum ist keine Zeit zu verlieren.
Den prognostizierten Rückgang der Kirchensteuer gilt es realistisch zu Kenntnis zu nehmen und darauf angemessen zu reagieren. Es gilt sich darauf zu besinnen, wozu Kirche da ist.
Es darf aber nicht dazu kommen, dass sich alles Denken, Beraten und Entscheiden nur noch um die Finanzen dreht. Der Kirchenkreis braucht im Vertrauen auf den Herrn der Kirche eine innere Freiheit, Prioritäten für das zukünftige Profil des Kirchenkreises zu setzen. Welche Arbeitsfelder sind für das Selbstverständnis eines Evangelischen Kirchenkreises unaufgebbar, auf welche ließe sich notgedrungen verzichten, ohne an Substanz zu verlieren? Hier ist eine gemeinsame theologische Entscheidung gefordert. .


5. Welchen Stellenwert hat für Sie die Mitarbeit Ehrenamtlicher in der Kirche?
Die Mitarbeit Ehrenamtlicher in der Kirche ist nicht hoch genug einzuschätzen.
Der ehrenamtliche Dienst wird in der Zukunft eine noch bedeutendere Rolle spielen, als er es jetzt schon tut. Der Kirchenkreis Siegen birgt hier einen enormen Schatz, den es wertzuschätzen gilt. Die Gefahr der Überforderung der Ehrenamtlichen ist jedoch groß, wenn nicht Begleitung und Angebote von Fortbildungen in ausreichendem Maße angeboten werden.
Ohne Ehrenamtlichkeit würde vieles in unserer Kirche brach liegen. Die Gaben, Fähigkeiten, Kompetenzen und Lebenserfahrungen, die Ehrenamtliche aus den unterschiedlichsten Bereichen einbringen, sind unverzichtbar.
Wir können nur dankbar sein, dass sich so viele Ehrenamtliche in der Kirche mit hohem Engagement einbringen. Unsere Dankbarkeit sollte allerdings auch in einer Kultur der Wertschätzung widerspiegeln. Im gemeinsamen Dienst von Haupt-, Neben- und Ehrenamt lässt sich auch in der Zukunft vieles bewegen.


6. Was sollte sich Ihrer Meinung nach in der Kirche auf keinen Fall ändern?
Der zentrale Auftrag der Kirche, um derentwillen sie ist und bleibt, nämlich die Verkündigung des gekreuzigten und auferstandenen Christus, muss die Mitte unseres kirchlichen Handelns bleiben. In all ihrem Tun sollte sie sich vom Evangelium her leiten lassen, von der frohen, befreienden und einzigartigen Botschaft, die sie der Welt schuldet. Sie muss nahe bei den Menschen bleiben und ihnen möglichst vielen Gelegenheiten geben, der vergebenden und aufrichtenden Liebe Gottes zu begegnen.


Pfarrer Peter-Thomas Stuberg

Pfarrer Peter-Thomas Stuberg (geb. 1958) stammt aus Schalksmühle. Er war von 1991 bis 2003 Pfarrer der evangelischen Christus-Kirchengemeinde (vormals Kirchengemeinde Iserlohn) und seit 2003 Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Oestrich. Seit 1992 war Pfarrer Stuberg stellvertretendes Mitglied im Kreissynodalvorstand als Scriba und seit 2004 ist er Synodalassessor im Kirchenkreis Iserlohn. Peter-Thomas Stuberg ist verheiratet. Das Ehepaar hat drei Kinder.

Hier können Sie den Vortrag von Pfarrer Peter-Thomas Stuberg, gehalten am 28.03.2012 im Gemeindezentrum der Christus-Kirchengemeinde am Wellersberg, nachlesen. (pdf-Datei)

1. Wie sind Sie dazu gekommen, Theologie zu studieren?
Durch meine  ehrenamtliche Mitarbeit in der Jugendarbeit im CVJM reifte der Entschluss, Theologie zu studieren, um Pfarrer zu werden. Das Evangelium in seiner Zeit zu verstehen und in heutiger Zeit verkündigen zu können, bildete dann den roten Faden meines Studiums in Münster, Bethel und Bonn.

2. Welche Vorzüge hat für Sie ein reformiert geprägter Kirchenkreis?
Die geschwisterliche Gemeinschaft von Haupt- und Ehrenamtlichen, die gemeinsame Verantwortung für die Kirche aus dem Zentrum  des biblischen Zeugnisses, und das lebendige Kirchesein  in den Gemeinden  scheinen mir die besonderen Stärken eines reformiert geprägten Kirchenkreises. Diese Stärken beschreiben aber nicht umgekehrt vermeintliche Schwächen der lutherisch geprägten Gemeinden.  Aus der gemeinsamen Idee des „Priestertums aller Gläubigen“ lebt die presbyterial – synodale Ordnung beider evangelischer Entfaltungen.

3. Worin sehen Sie die drei wichtigsten Aufgaben eines Superintendenten im Evangelischen Kirchenkreis Siegen?
1. Die Verheißung Jesu für seine Kirche  immer neu zu entdecken und als Ermutigung in der sich wandelnden Volkskirche zu formulieren 2. Die Zusammengehörigkeit aller Gemeinden, kreiskirchlichen Einrichtungen und der Diakonie zu wahren und zu fördern.3. die lebendige Vielfalt des Kirchenkreises  als wichtigen Beitrag im Gemeinwesen öffentlich zu vertreten.


4. Welche Möglichkeiten sehen Sie, den abnehmenden finanziellen Ressourcen des Evangelischen Kirchenkreises zu begegnen?
Die Finanzierung zentraler kirchlicher Aufgaben wird neben der Kirchensteuer stellenweise auch durch andere Einnahmequellen ergänzt werden müssen (Fördervereine, Stiftungen, Fundraising etc).   Zugleich muss geprüft werden welche Aufgabenfelder aufzugeben sind, die  in der Vergangenheit zwar ihren Segen hatten, aber in Zukunft menschlich und finanziell überfordern würden.  Solche Veränderungen müssen gerade auch von den betroffenen Menschen getragen werden. Dann kann man traurig und dankbar aufgeben, was loszulassen ist und mit kraftvoller Hoffnung fortführen, was nach Gottes Willen neu hervorwachsen soll.


5. Welchen Stellenwert hat für Sie die Mitarbeit Ehrenamtlicher in der Kirche?
Die Mitarbeit Ehrenamtlicher wird allein schon vor dem Horizont  der allmählich weniger werdenden Pfarrerinnen und Pfarrern wichtiger. Für sie sind Ehrenamtliche aber keine Lückenbüßer. Sie sind Menschen mit je eigenen Gaben.  Sie könnten von den Hauptamtlichen bestärkt und qualifiziert werden, so dass sie ihre Fähigkeiten gerne,  überschaubar und begrenzt  einsetzen.  Die reformierte Tradition der gleichberechtigten Ämter könnte hier wegweisend wirken für das Bewusstsein: „wir sind Kirche“. 

6. Was sollte sich Ihrer Meinung nach in der Kirche auf keinen Fall ändern?
Lebendige Gottesdienste, die unser Leben tragen.